GESUNDUNG DER SEELE – Nachtrag

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Eine heilsame Erfahrung ist, sich selber besser verstehen lernen; - d.h. sich der eigenen Geschichte bewusst werden. – Aufgrund welcher Faktoren und Einflüsse haben sich Muster und Verhaltensweisen entwickelt, die im Stadium des Kindes wichtig, oft überlebenswichtig waren, jedoch im Erwachsenenalter sich als schädlich und krankmachend herausstellen können. Zum Beispiel, das Kind machte die Erfahrung, wenn es sich brav und angepasst verhält, bekommt es Lob und Zuwendung. Aufgrund dieser Erfahrung entwickelt es ein bestimmtes „Muster“. Dem berühmten „Musterknaben“ wurde allseits vermittelt, dass er nur in Ordnung ist, wenn er den Erwartungen der Erwachsenenwelt entspricht. Ihm wurde vermittelt, es ist der höchste Wert, die Anforderungen, Werte und Normen der anderen zu erfüllen. Spätestens in der Pubertät führt eine diesbezügliche Verhaltensweise zum inneren Konflikt. Der Jugendliche ist einerseits herausgefordert sich nach seinen Impulsen und Bedürfnissen zu orientieren, andererseits möchte er (als Musterknabe) weiterhin den Erwartungen der anderen entsprechen, um sich deren Liebe zu sichern. Die Nichtbeachtung eigener Bedürfnisse, Impulse und Werte ist Basis für Entfremdung und führt früher oder später zur Krankheit. Für die Gesundung der Seele braucht es eine differenzierte Wahrnehmung persönlicher Werte, Bedürfnisse, Interessen und das Erkennen von anerzogenen, übernommenen Wertvorstellungen, die möglicherweise mit den ureigenen Bedürfnissen kollidieren. Auf meine häufig gestellte Frage „Was willst Du/Sie eigentlich?“; reagieren viele KlientInnen mit Erstaunen und der Antwort „das weiß ich nicht“. – Wer aber kann das sonst wissen!? – D.h. viele Menschen lassen sich unbewusst „fremd bestimmen“ – Sie haben es nicht gelernt, sich an sich zu orientieren, in sich hinein zu hören/spüren und die eigenen Impulsen ernst zu nehmen und ihnen zu vertrauen. Ein weiterer Aspekt für die Gesundung ist die sinnliche Wahrnehmung. Viele Menschen wurden konditioniert die Welt und sich selbst mit dem Kopf zu begreifen. Die Überbewertung und Einseitigkeit intellektueller Fähigkeiten und Fertigkeiten kann zu krankmachenden Symptomen führen.

Gesundung2

Nach C.G. Jung basiert die Grundstruktur des Menschen auf 4 Säulen – Denken, Fühlen, Empfinden, Intuition – diese Ebenen sollten gleichwertig und ausgewogen gelebt werden können. Damit dies möglich wird, ist es hilfreich, die Aufmerksamkeit auf die Sinne zu richten. D.h. bewusst riechen, schmecken, hören, sehen, fühlen und die „Blitz-Momente“ der Intuition ernst und wahrnehmen. Über diese Ebene wird es möglich, auch Genussfähigkeit zu entwickeln. Wer genießt, entwickelt positive Emotionen – gute Gefühle sind Balsam für die Seele. Sinnlich wahrzunehmen löst Gefühle aus und führt zur eigenen Lebendigkeit. Der Mensch kann sich wieder spüren. Auch der Einfluss auf die eigenen Gedanken wird häufig unterschätzt. Für viele ist es verwunderlich, dass ihre Sichtweise in Bezug auf Gesundheit überhaupt relevant ist. Ich zitiere gerne den Vergleich mit dem „Wasserglas“ – ist das Glas halb voll oder halb leer!? Je nachdem wie ich denke, werden sich entsprechende Gefühle einstellen. Sehe ich es halb voll, freue ich mich. Sehe ich es halb leer, tritt leichtes Unbehagen auf. Ein bewusster Umgang mit den eigenen Gedanken wird dahin führen, wohin jemand möchte. Wichtig dabei ist, zu unterscheiden, was ist Realität, Wunsch und Phantasie. Die eigenen Wünsche wichtig nehmen und sie in Verbindung mit der Realität zu setzen, bereitet den Weg zur Erfüllung. Negative Phantasien oder Zweifel erschweren und behindern die Wunscherfüllung. Die Macht der Gedanken durch positive Affirmationen zu unterstützen ist hilfreich. Jeder Mensch braucht Beziehungen. Konstruktiv gelebt, sind sie Nahrung für die Seele. Dabei sollte sich jede/r als erstes fragen, „Wie bin ich mit mir selbst in Beziehung?!“ „Wie gehe ich mit mir um, wie lasse ich mit mir umgehen“? Auch hier ist der Selbstbezug Spiegel dafür, wie beziehungsfähig jemand auch gegenüber anderen Menschen ist. Eine genesende Seele braucht Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Selbstverantwortlichkeit, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein Offenheit und eine liebevolle, wertschätzende Selbstannahme. Ein wesentlicher Schlüssel für Gesundheit ist die Balance zwischen Sicherheit und Risiko. Manche zementieren sich in vermeintlicher Sicherheit ein und erstarren dabei. Für sie ist es schon riskant auf etwas Anderes zu schauen oder gar auszuprobieren. Das Leben aber, ist Risiko – der Motor für Weiterentwicklung. Dem Leben vertrauen heißt, sich mit den eigenen positiven Erfahrungen des bisherigen Lebens im Rucksack, auf Neues, Unbekanntes einlassen um dabei vom Leben im positivsten Sinne überrascht zu werden! Der Ausstieg aus der Gewohnheit führt zur Veränderung. Jede VERÄNDERUNG wurde und wird immer belohnt! Sie ist die Brücke zur Gesundung der Seele. Um über diese Brücke zu gelangen braucht es manchmal Hilfe von Außen – sowohl auf körperlicher, als auch auf psychischer Ebene. Psychotherapie ist ein Weg der den Leidensdruck verkürzen und auflösen kann.

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